Kann sich um 4:00 Uhr aufstehen lohnen?

Diese Frage stellte sich fast jeder, als wir uns am 8. Januar 2019 um 5:00 Uhr an der Schule trafen, um nach Berlin in den Bundestag zu fahren. 

Unser Besuch startete pünktlich 7:45 Uhr am Paul-Löbe-Haus. Nach einer kurzen Einweisung wartete auch schon der erste Höhepunkt des Tages auf uns - die Führung durch den Bundestag. Interessiert besichtigten wir einige der wichtigsten Räumlichkeiten im Bundestag, inklusive den beeindruckenden Plenarsaal und die Kuppel des Reichstages, von welcher wir einen faszinierenden Blick über ganz Berlin hatten. Danach gingen wir zum Hauptteil unseres Besuches über. Wir veranstalteten ein Planspiel zum dem Thema, ob es einen Pfand für Coffee-to-go Becher geben sollte. Zu Beginn des Spielablaufes bekamen wir alle eine neue Identität und wurden verschiedenen, den echten ähnelnden, Fraktionen zugeordnet. Besonders lustig war hierbei die Vergabe von neuen Namen. Von Dr. Rakim Al Bira bis Liselotte Schmitz war alles dabei.
Dann wurde es etwas ernster. Es folgten mehrere Fraktionssitzungen, eine Koalition wurde gebildet, Plenarsitzungen wurden abgehalten, sowie zahlreiche Diskussionen geführt. Außerdem bekamen wir einen kleinen Einblick darin, wie viele verschiedene Ämter es im Bundestag gibt. Bis zu einem festen Gesetz war es jedoch ein langer Weg, kaum vorstellbar wieviel Zeit die Gesetzgebung in Wahrheit in Anspruch nimmt. Nach vielen Vorschlägen und Abstimmungen sind wir dann doch zu einer Einigung gekommen, mit welcher sowohl die Fraktionen, als auch die verschiedenen Interessensgruppen zufrieden waren.
Das von uns beschlossene Gesetz umfasste unter anderem einen Becher Pfand von 50 Cent, sowie die Möglichkeit der Abgabe der Becher in jedem Geschäft, dass solche auch verkauft. Die Einnahmen des Pfandes sollen an den Staat fließen, welcher jedoch im Gegenzug jegliche Recycling-Kosten der Becher trägt. Zufrieden und zugleich erschöpft von unserem Planspiel stärkten wir uns mittags im Restaurant des Bundestages, wo wir großzügiger Weise eine kostenlose Mahlzeit erhielten. Viel Zeit blieb uns jedoch nicht, da unser Bus schon auf uns wartete. Gegen 15:30 Uhr fuhren wir alle zusammen wieder zurück nach Halle. 
Der Besuch im Bundestag brachte uns die anstrengende und zeitaufwändige Arbeit der Politiker im Bundestag näher, welche man vorher nur aus der Ferne kannte. Wir haben erkannt, unter welchem enormen Druck die Politiker stehen, da ihre Entscheidungen 80 Millionen Menschen betreffen. 
Eines enttäuschte uns an unserem Besuch jedoch. Leider sahen wir nicht einen einzigen Politiker. Verglichen aber mit all unseren Eindrücken und Erlebnissen rückt diese Kritik sehr weit in den Hintergrund. Den Besuch des Bundestages können wir allen Klassen nur empfehlen, da lohnt es sich sogar um 4:00 Uhr aufzustehen. 

Helen Nowak

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