Ethik

Was ist das Besondere am Ethikunterricht?

Um zu erahnen, was wir im Ethikunterricht machen, möchte ich Euch einladen, mich auf eine Fantasiereise zu begleiten:
Versetzen wir uns dazu in die Lage des halbblinden,
fast tauben - aber sehr neugierigen - Maulwurfes „Paul“. Nach seinem mühseligen Aufstieg aus seiner selbst gegrabenen Höhle staunt Paul nicht schlecht, als er erstmalig die Oberwelt wahrnimmt: Alles ist hier viel heller, wärmer und voll unterschiedlicher Grautöne. Vieles riecht verlockend – manches dagegen ziemlich übel. Aber vor allem empfindet Paul die Oberwelt extrem laut. Gleichzeitig sieht er schemenhaft viele riesige, zweibeinige Wesen: alle unterschiedlich aussehend und doch sich gleichartig verhaltend.
Fast alle von denen scheinen die graue Welt zu mögen – obwohl doch jeder wissen sollte, dass es in einer Höhle viel gemütlicher ist mit all den leckeren Regenwürmern! Sind die Zweibeiner vielleicht blind und taub? Welch ein armseliges Glück muss die Zweibeiner begleiten …
Und warum hängen die fast immer als Pärchen oder in Gruppen rum, wo man sich mit regelmäßigen Tonabfolgen gegenseitig wird nerven müssen? - Wozu dies?! – „Warum brauchen die einander?“, grübelt unser Einzelgänger Paul. - „Aber vielleicht sind das ja nur Maschinen, die ziemlich gut programmiert sind!“, denkt Paul verzückt über seinen genialen Einfall.
„Programmiert“ trifft es übrigens ganz gut! Denn alle halten sich an Regeln, die dem Paul völlig unbegründet erscheinen. So ist es ihm unbegreiflich, wie selbstlos manche Zweibeiner auf ihren Vorteil verzichten - wie liebevoll und verantwortlich sich manche Riesen innerhalb ihrer Gruppe verhalten! Andererseits verhält sich jedes Einzelexemplar mitunter regelwidrig. – Dann gibt es unterschiedlichste Strafen, die der einzelgängerisch lebende Paul strikt ablehnt.
Da durchfährt unseren Paul der Gedanke, wie ein Blitz: „Warum steckt man die Übeltäter nicht einfach in eine Höhle? Wäre nicht allen geholfen, wenn der Eingesperrte das glückliche Leben eines Maulwurfes führte? – Oder: Warum klagen die Zweibeiner nicht einfach ihren  offenkundig inkompetenten Programmierer an, der für die Defizite ihrer selbst verantwortlich ist? Zumal viele von jenen an diesen glauben, ohne ihn je gesehen zu haben! – Wer mag also dieser Programmierer sein? Was erhoffen die Zweibeiner sich von seiner Existenz und der Befolgung seiner Regeln?“
Paul beschließt, sich aus Sicherheitsgründen zunächst in seine Höhle zurück zu ziehen, um das wunderliche Wesen der Zweibeiner in Ruhe zu ergründen.


Unser Paul ist ein richtig kleiner Philosoph! Denn er staunt über unsere Welt und seine Fragen kreisen um die vier philosophischen Kernfragen des Unterrichtsfaches Ethik:
1)    Was kann man (als Mensch) wissen?
2)    Was soll man (als Mensch) tun?
3)    Was darf man (als Mensch) hoffen?
4)    Was ist der Mensch?
Paul ist aber noch kein guter Philosoph, denn er stellt sich nicht selbst in Frage!
Das wird uns im Ethikunterricht weit besser gelingen! Denn ausgehend von eurer Lebenswelt werden wir gemeinsam und altersgerecht die wichtigsten Teilaspekte der vier bedeutsamen Fragen beleuchten, so dass ihr am Ende eurer Schullaufbahn befähigt seid, euch in unserer problembehafteten Welt ethisch zu positionieren. So könnt ihr selbständig und kritisch philosophische Theorien anwenden, um die gesellschaftliche Praxis (Handlungen, Vorstellungen, Gesinnungen) als auch politische Entscheidungen auf ihre ethische Güte hin zu beurteilen.
Dabei können wir Ethiklehrer euch aber nicht garantieren, immer abschließende Antworten zu finden. Was wir euch aber zusichern können, hat ein Schüler von mir mal treffend formuliert:

„Im Ethikunterricht habe ich [kritisches] Denken gelernt.“


•    Ethik wird ab Klasse 5 wahlobligatorisch im Umfang von zwei Wochen-stunden unterrichtet.
•    Es besteht die Möglichkeit, im Fach Ethik die mündliche Abiturprüfung im gesellschaftswissenschaftlichen Aufgabenfeld abzulegen.
•    Unterrichtet wird in drei Fachräumen der Fachschaft Ethik/Religion.
•    Wir Ethiklehrer sind ein junges Team und pflegen eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Religionslehrern. Der damit verbundene Gedankenaustausch, die Vielfalt von Medien, außerschulische Experten sowie thematische Exkursionen unterstützen uns, einen schülerorientierten und modernen Ethikunterricht zu realisieren.

Herr Seidel

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