Gedenkbuch für die Toten des Holocaust in Halle

Der Inhalt des Gedenkbuchs für die Toten des Holocaust in Halle, das vom ehemaligen Lehrer am Gymnasium Südstadt Volkhard Winkelmann begründet wurde, lässt sich unter folgendem Link abrufen:

http://www.gedenkbuch.halle.de/vorwortde.php

 

In diesem Gedenkbuch sind auch die Biographien der beiden Frauen enthalten, derer wir jährlich an den beiden von unserer Schulgemeinschaft gestifteten Stolpersteinen gedenken: Martha Dittmar (Falkenweg 7) und Henriette Sauer (Benkendorfer Straße 78). 

 

 

Nach oben

Die Stolpersteine – eine Klasse erinnert sich an die Opfer des Holocaust (2020)

von Katja Wagenknecht und Maria Kiourtzidi, Kl. 10c

 

Der 9. November gilt als „Schicksalstag“ in der deutschen Geschichte. Er kennzeichnet den Beginn der ersten deutschen Republik 1918, die Reichspogromnacht 1938 und den Fall der deutschen Mauer im Jahre 1989. 

Für die 10c war es jedoch der Pogrom gegen die jüdische Bevölkerung, der die Klasse am Montag des 9. November gemeinsam mit ihren Lehrern Herrn Langer und Herrn Vick in den Falkenweg brachte. Dort befindet sich eine kleine quadratische Messingtafel mit abgerundeten Ecken, welche im Boden eingelassen wurde. Diese sogenannten „Stolpersteine“ sollen an das Schicksal der Menschen erinnern, die in der Zeit des Nationalsozialismus (1933-1945) verfolgt, deportiert und ermordet wurden. Insgesamt gibt es in Deutschland rund 75.000 solcher Gedenksteine, welche durch den deutschen Künstler Gunter Demnig erstmals im Jahre 1996 entstanden. 

Die Klasse 10c konnte an diesem Tag jedoch nur einen dieser Steine in Halle besuchen. Es war der Stolperstein für die Jüdin Martha Dittmar. Sie wohnte zusammen mit ihrem Mann im Falkenweg. Als die Nazis jedoch auf ihre Aktivitäten durch Denunziation aufmerksam wurden, dauerte es nicht lange, bis sie im Jahre 1942 nach Auschwitz deportiert wurde. Wie bei tausend anderen Juden ist die Todesursache bei Martha nicht bekannt. Man geht davon aus, dass sie 1945 auf einem sogenannten „Todesmarsch“ umgekommen ist: Die Konzentrationslager wurden zum Ende des Zweiten Weltkrieges von der SS „evakuiert“. Viele starben auf dem Weg aufgrund von Hunger oder Krankheiten. 

Die Reichspogromnacht ist jedoch leider nur eine von den vielen schrecklichen Maßnahmen, die die Nazis zur schematischen Vernichtung der Juden versuchten durchzusetzen. Zwar liegen diese Ereignisse alle in der Vergangenheit und es gibt kaum noch Zeitzeugen, allerdings heißt das nicht, dass wir solche Dinge vergessen sollten, egal wie grausam sie sind. Wir sind nicht schuld an dem, was in der Vergangenheit passiert ist, jedoch sind wir dafür verantwortlich, wie wir damit umgehen und was wir aus unserer Zukunft machen. Die 10c besuchte heute den Stolperstein im Falkenweg, nicht nur um Martha Dittmar zu gedenken, sondern auch all der anderen 6 Millionen ermordeten Juden. 

Wir müssen uns an solche schrecklichen Ereignisse erinnern, damit so etwas in der Zukunft nicht noch einmal passiert.

Vielen Dank an dieser Stelle noch einmal an Herrn Langer, der uns vor und nach dem Besuch des Stolpersteins einen interessanten Einblick in die Ereignisse dieser dunklen Jahre gab.

 

Nach oben

81 Jahre danach…

…ist am Gymnasium Südstadt Geschichte nicht „abgehakt“ oder vergessen – im Gegenteil! 

Am Freitag, 8. November 2019 besuchten zwei Schülergruppen unserer Schule auch in diesem Jahr die beiden „Stolpersteine“, die von unserer Schulgemeinschaft Anfang der 2000er Jahre gestiftet wurden: Mit den kleinen Metallplatten, die im Fußweg eingelassen werden, wird an Opfer des Terrors der Nationalsozialisten erinnert – an Menschen, die zwischen 1933 und 1945 verfolgt, verhaftet, verschleppt, ermordet wurden, weil sie „anders“ waren oder dachten als die damaligen Machthaber in Deutschland. 

An Henriette Sauer, die 1943 im Konzentrationslager Auschwitz ihr Leben verlor, erinnern wir in der Benkendorfer Straße und im Falkenweg gedenken wir des Schicksals von Martha Dittmar, die 1945 auf einem so genannten Todesmarsch aus dem Konzentrationslager Auschwitz ums Leben kam.

Seit vielen Jahren erinnern wir immer zum historischen Datum des 9. November an NS-Unrecht und -Terror, denn in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 zerstörten Nationalsozialisten in zahlreichen deutschen Orten jüdische Wohnungen, Geschäfte und Synagogen. Mit der Reichspogromnacht begann eine neue Phase der Judenpolitik – die Jüdinnen und Juden, die zu diesem Zeitpunkt noch in Deutschland lebten, waren offenem, brutalem Terror ausgesetzt. 

 

Am 8.11.2019 setzten wir als Gymnasium Südstadt aber nicht nur aus historischer Verantwortung heraus ein Zeichen der Erinnerung, sondern gedachten auch der Opfer des Anschlags vom 9. Oktober in Halle, unserer Heimatstadt. Weil gerade dieser Anschlag deutlich macht, dass Aggression, Hass und Antisemitismus noch immer in Teilen unserer Gesellschaft vertreten sind, riefen die vier Elftklässler, die die Gedenkveranstaltungen an den Stolpersteinen moderierten, auch aus aktuellem Anlass zu mehr Toleranz und Verständnis unter- und füreinander auf. Blumen und eine Kerze wurden niedergelegt und eine Schweigeminute beschloss die Veranstaltung.

 

Auch aus dem Interesse zahlreicher SchülerInnen an diesem Projekt heraus entstand die Idee, vielleicht einen dritten Stolperstein zu stiften und verlegen zu lassen. Wir werden berichten!

 

 

L. Langer

Nach oben

80 Jahre Reichspogromnacht – Erinnern am Gymnasium Südstadt


2018 jährt sich die Reichspogromnacht zum 80. Mal: In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden in Deutschland gezielte Gewaltaktionen gegen jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger verübt. Allein in dieser Nacht verloren mehr als 400 Jüdinnen und Juden ihr Leben, mehr als 30.000 Menschen wurden am 9. und 10. November 1938 verhaftet oder verschleppt.

Seit einigen Jahren gedenken wir am 9. November der Opfer der nationalsozialistischen Herrschaft an den beiden von unserer Schule gestifteten Stolpersteinen.

80 Jahre nach dieser Ausschreitung, am 9. November 2018, werden wir mit jeweils zwei Schülerinnen/ Schülern aus jeder Klasse in der 3./4. Unterrichtsstunde die Stolpersteine in der Benkendorfer Straße 78 und im Falkenweg 7 besuchen. 

Die Gedenkzeremonie wird in diesem Jahr von Schülerinnen und Schülern der Klasse 10a gestaltet.

„Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch!“

Diese Worte - die Schlussworte aus dem Theaterstück „Der unaufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“ des deutschen Dichters und Dramatikers Bertolt Brecht (1898-1956) - werden als Warnung vor einer am Ende des Zweiten Weltkrieges zwar gebannten, aber doch immer noch und immer wieder drohenden braunen Gefahr zitiert. Leider sehr zurecht! Denn das nationalsozialistische Gedankengut mit seiner furchtbaren Menschenverachtung, dem mehr als 60 Millionen Menschen zum Opfer gefallen sind, quillt noch immer in den Köpfen vieler Menschen unseres Landes, aber auch überall in der Welt. Das ist sehr gefährlich und führt in seinen verschiedensten Facetten auch nach mehr als 70 Jahren immer noch zu schlimmen Kriegen, zu Völkermord und zu sehr, sehr viel Leid und Elend in der Welt. 

Wir Lehrer und Schüler des Gymnasiums Südstadt wollen unseren Beitrag leisten, dass das Leid der Opfer des Nationalsozialismus, aber auch das der aktuellen Kriege sowie der politischen und religiösen Auseinandersetzungen niemals vergessen wird!

In Gedenken an alle Opfer, insbesondere des Holocaust während der NS-Diktatur, und an alle, die auch heute noch durch Krieg und Völkermord getötet werden, legen wir jährlich am 9. November, dem Tag der so genannten „Reichspogromnacht“ (1938), an den beiden Stolpersteinen im Falkenweg 7 und in der Benkendorfer Straße 78 eine Gedenkminute ein. 

So auch an diesem 9. November 2017. Sechs Schülerinnen und Schüler der Klasse 11c informierten die Schüler unserer fünften Klassen über das historische Geschehen, sprachen über das Schicksal der beiden jüdischen Frauen Martha Dittmar und Henriette Sauer, trugen ihnen zu Ehren ein kleines Gedicht vor, legten drei Rosen nieder und entzündeten ein Lebenslicht.

Sie appellierten, dass vor allem die junge Generation dafür Sorge tragen sollte, den Ruf der Weltgemeinschaft nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges endlich Realität werden zu lassen: „NIE WIEDER KRIEG!“ 

Deshalb riefen alle Teilnehmer der Gedenkveranstaltung auch in diesem Jahr zu mehr Verständnis für andere Menschen und zu gegenseitiger Achtung und Toleranz auf. 

Am Ende wurde der „Staffelstab“ der Gedenkveranstaltung von den Elftklässlern an acht SchülerInnen aus der Klasse 9a übertragen, die ab 2018 die Durchführung des Gedenkens leiten werden.

So stimmen wir hier und jetzt in den Epilog des Stückes von Bertolt Brecht ein und sagen:

„Ihr aber lernet, wie man sieht, statt stiert
Und handelt, statt zu reden noch und noch.
So was hätt' einmal fast die Welt regiert!
Die Völker wurden seiner Herr, jedoch
Dass keiner uns zu früh da triumphiert –
Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch.“

 

Birgit Decker

(Geschichtslehrerin)

 

Nach oben

Der 9. November – ein geschichtsträchtiges Datum!

Auch für die Traditionen in unserem Gymnasium

Am 9. November 1918 wurde im Zuge der Novemberrevolution in Deutschland das Ende des Kaiserreichs verkündet. Letztendlich entstand 1919 die erste Demokratie der deutschen Geschichte – die Weimarer Republik.

Diese allerdings war von Beginn an sehr instabil, sodass die radikale NSDAP unter Führung Adolf Hitlers in einem Putschversuch am 9. November 1923 die parlamentarische Demokratie beseitigen wollte. Ein am Morgen des 9. November von Hitler und General Ludendorff angeführter Marsch mit mehreren Tausend, zum Teil schwer bewaffneten Teilnehmern wurde von der Polizei niedergeschlagen.

Trotzdem gelang es der NSDAP und ihrem Führer Adolf Hitler am 30. Januar 1933 die Macht zu ergreifen und eine terroristische Diktatur zu errichten, die die Welt ab 1939 in die schlimmste Katastrophe der Weltgeschichte stürzte – in den Zweiten Weltkrieg.

In der Nacht des 9. November 1938 brannten jüdische Synagogen in ganz Deutschland. Angehörige von Sturmabteilung (SA) und Schutzstaffel (SS) zertrümmerten die Schaufenster jüdischer Geschäfte, demolierten die Wohnungen jüdischer Bürger und misshandelten ihre Bewohner. Viele Tote und Verletzte waren zu beklagen. Über die Hälfte aller Synagogen oder Gebetshäuser in Deutschland und Österreich stark beschädigt oder ganz zerstört. Bereits einen Tag später wurden mehr als 30.000 männliche Juden in Konzentrationslager (KZ) verschleppt. Es kam zur zunehmenden Entrechtung und Enteignungen. Nach dem Novemberpogrom 1938 erhielt die Verfolgung einen neuen Charakter – es begann die systematische Eliminierung der Juden, die in einen systematisch organisierten Völkermord führte.

Um der Opfer des NS-Terrors zu gedenken, sponserten Schüler und Lehrer unseres Gymnasiums so genannte Stolpersteine, die von dem Künstler Kurt Demnig 2005 und 2006 verlegt wurden. 

Auch in diesem Jahr gingen wieder zwei Schülergruppen gemeinsam mit einigen LehrerInnen in den Falkenweg 7 und in die Benkendorfer Str. 78, um an den Stolpersteinen der jüdischen Frauen Martha Dittmar und Henriette Sauer zu gedenken. Zuerst informierten SchülerInnen aus der Klasse 10c über die Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten in Deutschland, danach sprachen sie über das Schicksal der beiden Frauen und trugen ihnen zu Ehren ein kleines Gedicht vor. Dann legten sie drei weiße Rosen nieder und entzündeten ein Lebenslicht. 

Wir erinnern jährlich an das Leid der Opfer, weil wir wachsam bleiben wollen, damit sich diese Geschichte nicht wiederholt. Deshalb riefen wir auch heute zu mehr Verständnis für andere Menschen und zu gegenseitiger Achtung und Toleranz auf.

Am 9. November 1989 fiel im Zuge der friedlichen Revolution in der DDR die Berliner Mauer – die Menschen erhielten die lang ersehnte Reisefreiheit. Ein Jahr später, am 3. Oktober 1990, fand die deutsche Wiedervereinigung statt.

Am 9. November 2016 wurde ein neuer amerikanischer Präsident gewählt ...

 

BD

Nach oben

Erinnerung

Der 9. November – Tag der Freude über den friedlichen Fall der Mauern 1989 zwischen den beiden damals existierenden deutschen Staaten, aber auch der Tag des Gedenkens an die vielen Millionen jüdische Opfer der nationalsozialistischen Herrschaft.


Wie passt das zusammen?


Ich frage mich:     Wie viele Mauern stecken noch in unseren Köpfen?


Menschen, die ihre Geschichte vergessen wollen, die nicht mehr reden wollen von der Reichspogromnacht 1938 oder nichts mehr hören wollen von den Gräueltaten der Nationalsozialisten im Zweiten Weltkrieg. Wie hoch ist ihre Mauer um ihre eigene Geschichte?


Aber es gibt auch Menschen, die am 9. November 1989 jubelten, als die Mauer fiel. Endlich frei, endlich das tun können, was man sich für seine Zukunft, für sein Leben vorstellte. Wie groß ist die Mauer in ihren Köpfen, wenn sie Menschen ablehnen, die vor Krieg und Gewalt, vor einer Diktatur fliehen? Die nur einen Wunsch haben: friedlich zu leben.


Mauern sind 1989 eingerissen worden und werden wieder errichtet.


Was haben wir aus der Geschichte gelernt?


Das Gymnasium Südstadt gedenkt jedes Jahr der Opfer des nationalsozialistischen Terrors an den Stolpersteinen in der Benkendorfer Straße 78 und im Falkenweg 7, die 2004 und 2006 von unserer Schulgemeinschaft gestiftet wurden.
Schüler dieses Gymnasiums waren es in den 1990er Jahren auch, die gemeinsam mit ihrem Geschichtslehrer Herrn Winkelmann († 2017) die Schicksale der halleschen Juden während der NS-Diktatur erforschten und ihre Ergebnisse in einem Gedenkbuch zusammenfassten.                                                    

 


Das ist unser Verständnis von Geschichte und Verpflichtung zugleich:


Es dürfen nicht wieder Mauern entstehen.


Inge Hackbusch (Geschichtslehrerin)

Nach oben

Impressionen von der Verlegung des Stolpersteins für Henriette Sauer

Nach oben

Design FuTec GmbH 2010